Ein Urgestein der Gunzenhäuser Verwaltung verabschiedet sich

Gruppenbild im Rathausfoyer. Zu sehen sind Alt-Bürgermeister Karl-Heinz Fitz, Klaus Stephan, Stefan Brändlein und Erster Bürgermeister Matthias Hörr

„Nach so vielen Jahren kommt schon etwas Wehmut auf. Allerdings freue ich mich auf die gewonnene Freiheit und auf die Dinge, die im neuen Lebensabschnitt auf mich zukommen werden!“ Mit einem weinenden und einem lachenden Auge hat sich der langjährige Gunzenhäuser Hauptamtsleiter, Radverkehrsbeauftragter und Geschäftsleiter Klaus Stephan aus dem aktiven Dienst verabschiedet. Damit endete am 30. April 2026 um 24 Uhr eine Ära, die vor mehr als 40 Jahren am 1. September 1986 in der Stadtverwaltung Gunzenhausen begonnen hatte. Im Rahmen einer kleinen Abschiedsfeier sagten vor kurzem im Haus des Gastes Weggefährten und Kollegen „Mach´s gut, auf bald!“.

„Vier Bürgermeister habe ich miterlebt und sechs Legislaturperioden überstanden. Ich habe bereits zu einer Zeit im Gunzenhäuser Rathaus gearbeitet, da gab es noch keine Computer. Sie merken: In den letzten 40 Jahren ist viel passiert. Der Stadt habe ich mit Freude und Herzblut gedient. Es war mir eine große Ehre, aktiver Teil der Gemeinschaft zu sein“, betonte der scheidende Hauptamtsleiter in seiner Abschiedsrede.

Angefangen hat seine Karriere als Verwaltungsangestellter im Sachgebiet „Schulen, Sport und soziale Angelegenheiten“. Es folgte die Fachprüfung II und ein Wechsel ins Personalamt, dessen Leitung er Anfang der 1990er-Jahre übernahm. Nach der Ernennung zum Verwaltungsfachwirt schnupperte er für ein gutes halbes Jahr in die Hauptverwaltung des Evang.-Luth. Diakoniewerks in Neuendettelsau, übernahm dann das Hauptamt und blieb dieser Abteilung bis zum Ruhestand in verschiedenen Funktionen treu.

Erinnern wird man sich zudem an seine erfolgreiche Verbindung zum Burkhard-von-Seckendorff Heim. Bereits 2000 wurde er zum kommissarischen Heimleiter bestellt und hat bis zu seiner Abberufung im Jahr 2023 den Umstrukturierungsprozess des Alten- und Pflegeheims hautnah begleitet und maßgeblich mit vorangetrieben. Daneben kümmerte er sich lange Zeit um die Städtepartnerschaft mit Frankenmuth usw. usf. - es bedarf bei dieser umfangreichen Vita kaum Erwähnung, dass er die Weiterbildung zum Verwaltungsbetriebswirt mit einer „1“ vor dem Komma abschließen konnte. Nach vielen Jahren als stellvertretender geschäftsleitender Beamter wurde Klaus Stephan dann verdientermaßen Geschäftsleiter der Stadt Gunzenhausen und hatte damit die höchste Verwaltungsposition inne. Als „rechte Hand“ des Ersten Bürgermeisters war er dessen erste Ansprechperson und Stellvertreter nach Innen.

Die vielleicht größten Fußstapfen hinterlässt Klaus Stephan allerdings im Bereich der kommunalen Mobilität. Mit Leidenschaft, Praxisnähe und einer über Jahrzehnte angeeignete Expertise hat Klaus Stephan die Verkehrswende in Gunzenhausen wie niemand sonst vorangetrieben. Bis heute wird er weit über die Grenzen der Stadt hinaus als Referent angefragt und hält zahlreiche Vorträge, u.a. bei Prof. Dr. habil. Dr. hc. Johannes Klühspies von der Technischen Hochschule in Deggendorf.

In seiner Zeit als Radverkehrsbeauftragter hat er wichtige Projekte zur Verbesserung der Radfahrinfrastruktur im Stadtgebiet begleitet, den städtebaulichen Blick für alle Fortbewegungsmittel geschärft und die Weichen für einen nachhaltigen und kontinuierlichen Ausbau des Gunzenhäuser ÖPNV mitgestellt. Zu Recht und völlig verdient wurde ihm daher im Rahmen der Abschiedsfeier der Titel „Ehrenradsverkehrsbeauftragter der Stadt Gunzenhausen“ verliehen.

„Mir war nie langweilig und viele Begegnungen haben mein Leben bereichert. Ich blicke auf tolle Mitarbeiter zurück mit denen ich zahlreiche Projekte umsetzen konnte. Darauf dürfen wir alle, darf ich stolz sein. Es war eine schöne und spannende Aufgabe und nun freue ich mich auf den nächsten Lebensabschnitt. Ich gehe mit einem guten Gefühl, auch weil ich weiß, dass ich meine Verantwortung in gute, vertrauensvolle Hände übergebe.“

Erster Bürgermeister Karl-Heinz Fitz bedankte sich beim „Visionär in Mobilitätsfragen“ für die langjährige Zusammenarbeit. „Du hast uns Allen Orientierung gegeben und die Verwaltung in den letzten Jahren deutlich geprägt. Deine berufliche Bilanz ist beeindruckend, du warst uns wichtiger Ratgeber und deine Argumente hatten immer Gewicht. Mir als Ersten Bürgermeister warst du Korrektiv und Augenmaß zugleich. Du gehst als ein Freund, mit dem ich mich jederzeit auch zu schwierigen Themen beraten konnte. Danke dafür und ich wünsche dir auf deinem künftigen Lebensweg alles Gute!“

Auf sein „Rentendasein“ freut sich Klaus Stephan, denn es warten „vier Enkelkinder, Schwimmen, Fahrradfahren und Urlaubsreisen mit dem Wohnmobil“. So ganz lassen kann er von seinem Steckenpferd „Mobilität“ allerdings nicht. So wird er ab Juli 2026 für ein paar Wochenstunden in der Mobilitäts- und Verkehrs-GmbH Geschäftsführer Stefan Dietz bei der Weiterentwicklung des städtischen ÖPNV tatkräftig unterstützen.

Beerbt wird Klaus Stephan von Stefan Brändlein, der selbst bereits ein „alter Hase“ im Hauptamt ist. Seit 2010 agiert er als Stephans Stellvertreter und leitete in dieser Zeit u.a. das Gunzenhäuser Ordnungsamt. 2023 wechselte er als Sachgebietsleiter in das damals neu geschaffene Amt „Digitalisierung, Mobilität, Wahlen und Bevölkerungsschutz“. „Der Respekt vor diesem wichtigen Amt ist da und die Fußstapfen sind groß. Ich wurde jedoch gut eingearbeitet und freue mich auf die Aufgabe. Klaus Stephan war nicht nur Vorgesetzter, sondern ist Vorbild und ein Freund. Wir hatten größtes Vertrauen zueinander und selbst wenn wir inhaltlich mal nicht auf einer Wellenlänge lagen, so war der Austausch immer konstruktiv und vom Ziel definiert, das Beste für Gunzenhausen zu wollen. Sein offenes Ohr und sein Fachwissen werden der Verwaltung fehlen.“

Viel Zeit für Sentimentalitäten bleibt natürlich nicht, denn die nächsten Herausforderungen stehen vor der Tür. So begann am 1. Mai eine neue Legislaturperiode und ein neuer Erster Bürgermeister trat seinen Dienst an. In der Stadtverwaltung muss dagegen die Digitalisierung vorangetrieben werden, der Bevölkerungsschutz nimmt einen immer größeren Raum ein und das Radverkehrskonzept wird nach und nach umgesetzt. „Als Hauptamtsleiter ist immer viel zu tun, dazu werde ich von Klaus Stephan auch die Funktion als Radverkehrsbeauftragter übernehmen. Langweilig wird mir also sicher nicht und ich bin dankbar, dass mein Ex-Chef immer ein offenes Ohr für mich haben wird“, so Stefan Brändlein.

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